Das 2. ASAP-Symposium, Präsentation Nr. 4, ist jetzt verfügbar
Jede Sitzung des ASAP-Symposiums 2025 in Bern befasste sich mit einem anderen Bereich, in dem der verantwortungsvolle Umgang mit Antibiotika in der ambulanten Versorgung in der Schweiz verbessert werden muss. Die erste Hälfte des Programms konzentrierte sich auf klinische Leitlinien (siehe unsere früheren Beiträge). Die zweite Hälfte widmete sich einem Umfeld, das an der Schnittstelle zwischen stationärer und ambulanter Versorgung liegt: Langzeitpflegeeinrichtungen.
Langzeitpflegeeinrichtungen nehmen in der Schweizer Gesundheitslandschaft eine besondere Stellung ein. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben dort dauerhaft; die Pflege wird vom Pflegepersonal geleistet, während Ärztinnen und Ärzte nur sporadisch vorbeikommen; Verschreibungsentscheide werden oft getroffen, ohne die Patientin oder Patienten zu sehen. Strukturen zur Infektionsprävention und zum Antibiotikamanagement lassen sich nicht automatisch auf diesen Bereich übertragen, dennoch ist der Antibiotikaeinsatz erheblich und wurde bis vor kurzem grösstenteils nicht erfasst.
Domenica Flury stellte die Ergebnisse von SPOT vor, der ersten nationalen Punktprävalenzerhebung der Schweiz zu nosokomialen Infektionen und zum Einsatz von Antibiotika in Langzeitpflegeeinrichtungen. 94 Einrichtungen, 7'244 Bewohner.
Die Antibiotika-Einsatzraten entsprechen im Grossen und Ganzen den EU-Durchschnitten, doch die Unterschiede zwischen den Einrichtungen und über die Sprachregionen hinweg sind gross. Nun liegen die Daten vor, um nach den Gründen dafür zu fragen.
Ausserhalb der Grippesaison sind Harnwegsinfektionen die häufigste Infektionsart, und Blasenkatheter stellen einen potenziell beeinflussbaren Risikofaktor dar.
Jede dritte Verschreibung von Antibiotika dient der Prophylaxe. Dieser Anteil verdient eine genauere Untersuchung.
Strukturen für den verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika fehlen weitgehend. Viele Einrichtungen betrachten den Einsatz von Antibiotika als Angelegenheit der verschreibenden Hausärztinnen und Hausärzte und nicht der Einrichtung. Diese Aufteilung der Verantwortung hinterlässt eine Lücke, die keine der beiden Seiten füllt.